Der neue Bund – eine Partnerschaft mit Jesus

Autor: Zac Poonen


Niemand hat Gott je gesehen, aber Jesus kam, um Ihn als einen Vater zu offenbaren (Joh 1,18). Jesus offenbarte den Namen Gottes als ,,Vater“ (Joh 17,5). In diesem Namen (und alles was hinter diesem Namen steht) sollten die Jünger ihre Sicherheit finden.

Zur Zeit des Alten Testaments wohnte Gott hinter einem dicken Vorhang in der Stiftshütte. Niemand wusste genau, welche Art von Person Er war. Die Pharisäer präsentierten dem Volk ein Bild von Gott, das Ihn wie einen unbarmherzigen und strengen Tyrannen zeigte. Dann kam Jesus und zerriss den Vorhang und zeigte uns, dass es ein liebender Vater war, der innerhalb des Vorhanges wohnte. Aber Satan ist aktiv gewesen, den Gläubigen sowie auch den Ungläubigen ein falsches Bild von Gott zu zeichnen. Es ist jetzt die Berufung der Kirche, das zu tun, was Jesus tat ­ ein wahres Bild von Gott als einem liebenden Vater zu präsentieren. Nur wenn wir Gott als Vater kennen, können wir in all das Gute des neuen Bundes eintreten. Er wird der Gott aller Gnade genannt (1Pt 5,10), und da ,,Gnade“ ,,Hilfe in Zeiten der Not“ bedeutet (Hebr 4,16), bedeutet das, dass Gott stets unser Helfer sein wird. Er ist immer auf unserer Seite im Kampf gegen den Teufel. Das ist der Grund, warum Jesus den Heiligen Geist den ,,Helfer“ nannte (Joh 14,16).

Das Gesetz kam durch Mose und seine Aufgabe war, Sünde (Röm 7,13) und auch unsere Hilflosigkeit gegenüber der Sünde zu offenbaren (Gal 3,24). Aber das Gesetz bot dem Menschen keine Hilfe zum Überwinden an. Daher konnte das Gesetz dem Menschen nicht zur Reinheit im Inneren führen. Gott hatte immer schon Verlangen nach Reinheit im Innersten (Ps 51,6). Aber unter dem Gesetz konnte das kein Mensch erreichen. Aber nun hat Jesus einen besseren Bund aufgerichtet. Er ist in folgender Hinsicht besser: Das Gesetz gibt uns nur Gebote, aber unter der Gnade versorgt uns Gott nicht nur mit Geboten, sondern auch mit einem Vorbild (Jesus in Seinem irdischen Leben) und einem Helfer (dem Heiligen Geist), um uns zu befähigen, die Gebote zu halten. Das ist der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Bund. Satan hat dem Großteil der Christenheit die Ermutigung geraubt, die uns Jesus als unser Vorbild gibt, indem er vor ihnen verborgen hat, dass Jesus in das Fleisch kam. Zweitens hat Satan sie auch der Macht dieses Helfers beraubt, indem er entweder die Taufe im Heiligen Geist gefälscht oder geleugnet hat. Eine Menge von Menschen haben heute eine gefälschte ,,Taufe im Geist“ empfangen, die ihnen weder Kraft gibt, die Begierden in ihrem Fleisch zu bekämpfen, noch den Mut, Satan zu widerstehen. Welch ein fantastisches Werk der Verführung hat Satan getan! Unter dem Gesetz versucht der Mensch, Gott zu gefallen und versagt. Unter der Gnade wirkt Gott in uns und befähigt uns, Gott zu gefallen (Phil 2,12-13).

Diejenigen, die versuchen, Gott zu gefallen und dabei versagen, sind immer noch unter dem Gesetz, auch wenn sie vielleicht aufrichtig sein mögen. Die meisten von ihnen sind in ihrem Bemühen, die Gebote zu halten, mühselig und beladen. Solche mühseligen und beladenen Menschen sind es, die Jesus einlädt, zu Ihm zu kommen und ihr schweres Joch gegen Sein sanftes einzutauschen (Mt 11,28-30).

Das Joch ist ein Symbol der Partnerschaft ­ ob in einer Ehe oder in einem Geschäft.

Jesus lädt uns ein, mit Ihm in eine Partnerschaft einzutreten, wo Er das Kapital zur Verfügung stellt und wir den Gewinn erhalten! Johannes nennt die Wunder Jesu ,,Zeichen“ (Joh 2,11). Mit anderen Worten ausgedrückt war jedes Wunder Jesu ein Gleichnis mit einer Botschaft. Im Wesentlichen besteht die Botschaft, die uns die aufgezeichneten Wunder im Johannesevangelium geben darin, dass Jesus mit uns in eine Partnerschaft eintreten möchte.

Bei der Hochzeit in Kana hätte Jesus die Wasserkrüge mit Wein füllen können ­ aus nichts. Aber dann wäre es keine Partnerschaft gewesen. Es wäre eine Ein- Mann-Show gewesen. Die Diener wurden daher eingeladen, Anteil am Wunder zu erhalten, indem sie ihren Teil taten ­ den leichten Teil ­ indem sie die Krüge mit Wasser füllten. Dann tat Jesus den schwierigen Teil ­ indem Er das Wasser in Wein verwandelte (Joh 2,1-11).

Bei der Speisung der Fünftausend hätte Jesus ebenso Speise aus nichts herstellen können ­ aber Er tat das nicht. Er lud einen kleinen Jungen ein, Ihm sein Lunchpaket zu geben; und in Partnerschaft mit diesem kleinen Jungen speiste Er die Fünftausend (Joh 6,1-13). Der kleine Junge tat, was er tun konnte; und Jesus tat, was Er tun konnte! Der blind geborene Mann wurde zuerst gebeten, das zu tun, was er tun konnte (Joh 9,1-7). Er musste sich im Teich Siloah waschen. Dann tat Jesus den schwierigen Teil, indem Er ihm seine Augen öffnete.

Wir sehen das gleiche Prinzip bei der Auferweckung des Lazarus. Seine Freunde taten den leichten Teil ­ indem sie den Stein vor dem Grab entfernten. Jesus tat den schwierigen Teil ­ indem Er Lazarus von den Toten auferweckte. Seinen Freunden wurde dann einmal mehr die Gelegenheit gegeben, das zu tun, was sie tun konnten ­ indem sie Lazarus von den Binden lösten und ihn gehen ließen (Joh 11,38-44).

Nach der Auferstehung sehen wir, dass die Jünger eines Tages fischen gingen. ,,Und in dieser Nacht fingen sie nichts“ (Joh 21,3). Das ist ein Bild eines Menschen, der sich unter dem Gesetz abmüht! Dann kam Jesus. Er hätte ihre Boote mit Fischen füllen können, ohne dass sie ihre Netze in den See auswarfen. Ein Gott, der den Fischen gebieten konnte, auf diesem See nahe an das Boot des Petrus zu kommen, hätte genauso leicht befehlen können, dass dieselben Fische einfach ins Boot springen. Aber dann hätte es keine Partnerschaft gegeben. So musste der Mensch also seinen Teil tun. Sie mussten ihr Netz in den See auswerfen. Auf diese Weise wurde das Wunder in Partnerschaft mit Jesus getan. Der Mensch tut den leichten Teil und Jesus tut den schwierigen Teil. Aber sie mussten ihre Netze in den See auswerfen. Das ist der Gehorsam des Glaubens, von dem Paulus in Römer 1,5 spricht.

Das ist das Evangelium des neuen Bundes, das die Apostel verkündeten. Wo das Evangelium nicht verstanden wird, tendiert der Mensch dazu, entweder zu einem Extrem des Legalismus (indem er sich ewig die ganze Nacht mit leeren Netzen und ohne Sieg abmüht) oder zum anderen Extrem einer falschen Gnade (wo es überhaupt keine Anstrengung und auch keinen Sieg gibt!) zu pendeln.

Viele aufrichtige Seelen sind müde und beschwert, weil sie unter der Last von selbst auferlegten Geboten seufzen. Wie die Fronvögte des Pharao die Israeliten auspeitschten, um mehr Ziegel herzustellen, peitscht der Teufel (verkleidet als ,,Prediger der Gerechtigkeit“ ­ 2Kor 11,14-15) viele aufrichtige Christen mit den Worten auf: ,,Du liest die Bibel nicht genug. Du fastest und betest nicht genug. Du gibst nicht genug Zeugnis usw.“ Viele Prediger haben sich unbewusst auf die Seite Satans gestellt, indem sie Gottes Volk durch solche Predigten verdammt haben.

Aber eine solche Verdammnis ist die Folge davon, wenn das Evangelium des neuen Bundes ignoriert wird.

Jesus ist ein Hirte, der Sein Volk leitet, indem Er vor ihnen hergeht. Er verwendet keine Peitsche und treibt sie nicht von hinten an, wie ein Mietling es tut. Alle Prediger, die ihre Herde peitschen, sind Mietlinge. Wahre Hirten sind jene, die leiten, indem sie selber ein Vorbild sind. Viele gerieten in Knechtschaft, weil sie auf die Mietlinge gehört haben.

Gott sandte Seinen Sohn nicht in die Welt, um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten (Joh 3,17). Jene, die den Menschen Verdammnis predigen, sind daher nicht von Gott gesandt. Gottes Diener führen Menschen immer zum Heil.

Jesus möchte mit uns in allen Bereichen unseres Lebens ein Partner sein. Als Petrus zu Jesus kam, um die Tempelsteuer einzusammeln, befahl Jesus dem Petrus, eine Angel in den See zu werfen und den ersten Fisch, der auftauchte, zu fangen. In seinem Munde, so sagte Jesus, würde ein Zweigroschenstück sein, das ausreichte, die Steuer sowohl für Jesus als auch für Petrus zu bezahlen. ,,Für Mich und für dich“ waren die Worte Jesu (Mt 17,27). Denke an den Ausdruck ,,für Mich und für dich“. Das ist eine Partnerschaft. Jesus ist sogar daran interessiert, uns zu helfen, unsere Steuern zu bezahlen. Von den banalen Dingen, die unser alltägliches Leben auf Erden bestimmen, bis zu den Dingen, die ewig bleiben, ruft uns Jesus dazu auf, nach dem Prinzip von ,,Mir und dir“ [für Mich und für dich] zu leben.

Jesus sagte, dass wir Ruhe für unsere Seelen finden würden, wenn wir dieses Joch der Partnerschaft auf uns nehmen (Mt 11,28-30). Das ist die Ruhe, in die uns Gott einzutreten mahnt, indem wir von unseren eigenen Werken ruhen (Hebr 4,10-11).

Es ist nicht leicht, von unseren eigenen Werken zu ruhen, weil unser selbstsüchtiges Leben sehr stark ist. Aus diesem Grunde muss Gott Umstände arrangieren, damit wir gebrochen werden. Er lässt zu, dass unsere Pläne durchkreuzt werden und dass unsere Hoffnungen zerbrechen. Unsere Intrigen und unsere Pläne führen zu nichts und wir fallen immer wieder in Sünde. Dadurch lehrt Er uns, mit unseren Werken aufzuhören, damit wir Seine Werke tun.

Der alttestamentliche Sabbat war ein Bild von dieser Ruhe Gottes im neuen Bund (Hebr 4,9-10). Es ist die Ruhe, die zuerst kommen muss, bevor wir etwas von ewigem Wert tun können.

Als Gott Adam und Eva am sechsten Tag schuf, heiligte Er den nächsten Tag als einen Tag der Ruhe. Auch wenn dies chronologisch gesehen der siebente Tag war, war es jedoch für Adam der allererste Tag. Das Gesetz, das 2500 Jahre später kam, besagte: ,,Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebenten Tage sollst du ruhen.“ Aber für Adam setzte Gott den ersten Tag als Tag der Ruhe und der Gemeinschaft und dann sechs Arbeitstage ein. Das ist Gnade. Unter der Gnade kommt der ,,Ruhetag“ zuerst. Wir müssen zu dieser Ruhe eingehen, bevor wir dem Herrn dienen können. Dann kann jeder Tag unseres Lebens ein Sabbat sein. Das ist Gottes Absicht für uns.

Als die Pharisäer Jesus fragten, warum Mose unter dem Gesetz die Scheidung erlaubte, antwortete Er, dass dies eine vorübergehende Maßnahme für den Menschen war, solange sein Herz verhärtet war (Mt 19,8). Aber Jesus sagte, dass es nicht Gottes vollkommener Wille von Anfang an war. Viele Dinge im Gesetz waren ein Teil von Gottes erlaubendem Willen ­ nicht Sein vollkommener Wille ­ so wie der Mensch ,,von Anfang an“ nach Seiner Absicht leben sollte (Mt 19,8). Und so muss für uns, so wie es bei Adam der Fall war, diese Ruhe zuerst kommen. Das Leben muss eine fortwährende Sabbatruhe in Gott sein.

Nur wenn wir in die Ruhe eintreten, können wir freudig bezeugen, dass Gottes Gebote keine Bürde sind (1Joh 5,3). Wo Gottes Gebote als Bürde angesehen werden und die Botschaft der Selbstverleugnung und der Gehorsam gegenüber all den Geboten als Knechtschaft angesehen werden, ist es offensichtlich, dass eine solche Person noch nicht unter das Joch Jesu gekommen ist. Sie arbeitet immer noch unter ihrem eigenen Joch, unter dem Gesetz.

Im Vorhof der Stiftshütte und sogar im Heiligen gab es eine Menge Aktivität. Aber im Allerheiligsten, innerhalb des Vorhangs, gab es keine Aktivität ­ nur Gemeinschaft. Sogar der Dienst für Gott fließt aus dieser Beziehung heraus. Das ist der Unterschied zwischen dem Dienst im Alten und im Neuen Testament. Dies wird durch Marta und Maria in der Begebenheit, die in Lukas 10,38-42 beschrieben ist, deutlich gemacht. Maria war (symbolisch gesprochen) im Allerheiligsten ­ in der Ruhe, in Gemeinschaft mit dem Herrn. Marta war in ruhelosem Dienst (,,für den Herrn“) im Vorhof. Jesus sagte, dass Maria das gewählt hatte, was jeder Mensch benötigt.

Der Vorhang wurde nun durch Jesus zerrissen und wir können mit Kühnheit eintreten und alle Tage unseres Lebens im Allerheiligsten wohnen ­ in Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohn Jesus Christus. Wenn wir das nur sehen könnten: Das, was Gott sich vom Menschen als Erstes wünscht ist nicht Dienst, nicht Bibellesen, nicht Fasten und Gebet usw., sondern Gemeinschaft.

Adam wurde von Gott nach Seinem Bilde erschaffen ­ nicht weil Gott für den Garten Eden einen Gärtner brauchte, sondern weil Er jemanden haben wollte, mit dem Er Gemeinschaft haben konnte. Gott rettete uns nicht aus der Grube der Sünde, damit wir Ihm dienen mögen, sondern vielmehr dass wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Weil dies nicht ausreichend verstanden wird, sind viele Christen heute mühselig und beladen, genauso wie Marta.

Im Alter von 95 Jahren, nachdem er 65 Jahre mit Gott gewandelt war, entschied sich der Apostel Johannes, inspiriert vom Heiligen Geist, einen Brief zu schreiben.

Das Thema des Briefes war ,,Gemeinschaft“ (1Joh 1,3). Da er Gemeinden und Gemeindeleiter gesehen hatte, die ihre erste Liebe verloren hatten (Offb 2,4) und die jetzt einen Namen hatten, dass sie lebten (mit all ihren verschiedenen christlichen Aktivitäten), aber in Wirklichkeit aus Gottes Sicht tot waren (Offb 3,1), sah Johannes sicherlich, dass es eine große Notwendigkeit gab, Christen in die Freude der Gemeinschaft mit dem Vater und Seinem Sohn Jesus Christus innerhalb des Vorhangs zu führen.

Es mag in verschiedenen Bereichen von Aktivität Freude geben. Einige Menschen finden diese im Sport, einige in der Musik, einige in ihrem Beruf, einige sogar im christlichen Dienst. Aber die reinste Freude im Universum kann man nur in der Gemeinschaft mit dem Vater finden (1Joh 1,4). Der Psalmist sagt: ,,Vor dir ist Freude die Fülle“ (Ps 16,11). Dies war die ,,Freude, die vor ihm lag“, die Jesus willig machte, das Kreuz täglich zu erdulden (Hebr 12,2). Die Gemeinschaft mit dem Vater war Jesu am meisten geschätzter Besitz. Er schätzte im Vergleich dazu nichts anderes im Universum. Jesus wusste, dass diese Gemeinschaft mit dem Vater auf Golgatha zerbrochen werden würde, wenn Er drei Stunden lang die Qualen einer ewigen Hölle für die verlorene Menschheit zu erdulden haben würde (Mt 27,45).

Dann würde der Vater Ihn verlassen müssen und die Gemeinschaft, die Er mit dem Vater seit Ewigkeit hatte, würde drei Stunden lang gebrochen sein. Er fürchtete diesen Bruch der Gemeinschaft so sehr, dass Er in Gethsemane Blutstropfen schwitzte. Der Kelch, den Er bat, dass er von Ihm genommen würde, war einfach dieser: Ein Bruch der Gemeinschaft mit dem Vater.

Wenn wir das bloß sehen und davon ergriffen werden könnten! Wie leichtfertig sprechen und singen wir davon, Jesus nachzufolgen. Jesus nachzufolgen bedeutet, dass wir die Gemeinschaft mit dem Vater so sehr schätzen wie Jesus es tat. Die Sünde würde für uns dann überaus sündig werden, denn sie zerbricht unsere Gemeinschaft mit dem Vater. Eine lieblose Haltung gegen einen anderen Menschen usw. würde nicht einmal toleriert werden, denn sie zerbricht die Gemeinschaft mit dem Vater.

Möge der Herr uns Offenbarung geben, damit wir deutlich sehen, dass wahres Christentum nicht weniger als ungebrochene Gemeinschaft mit einem liebenden Vater im Himmel ist.

Originalartikel: The New Covenant ­ A Partnership With Jesus

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